Historisches über das Erblehngericht

Zur Geschichte des Erblehngerichts in Langebrück, Hauptstr. 49

Nachrichten über das Langebrücker Erblehngericht sind aus den Jahren 1444, 1453 und 1467 überliefert. Das Erblehngericht ist eng mit der Siedlungsgeschichte des Ortes verbunden.

Bei der Ortsgründung und der damit einhergehenden Landverteilung bekam jeder Siedler eine Hufe (Langebrück ist ein typisches Hufendorf), auch der vom Lehnsherrn eingesetzte Lehnrichter. Aber im Gegensatz zu all den anderen Siedlern war er vom Frondienst befreit und brauchte keinen Zins zu zahlen. Er war der Vertreter der Obrigkeit vor Ort, hatte dafür zu sorgen, dass die Bauern ihren Frondienst und der Zinszahlung nachkamen sowie ihre Pflicht in Kriegszeiten erfüllten. Der Lehnrichter konnte in gewissem Umfang Recht sprechen; man bezeichnete dies als die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit, die er ausübte.
Der Lehnrichter besaß außerdem das Brau- und Schankrecht, d.h. er durfte Bier brauen und ausschenken. Damit war das Lehngericht gleichzeitig die älteste Gaststätte und Mittelpunkt des einstigen Heidedorfes.
Für das Brauen notwendige Wasser gewann man aus den drei Brauteichen, die wohl eigens dafür angelegt worden waren. Erhalten geblieben ist nur der obere Brauteich, der mittlere und der untere Brauteich sind im 20. Jahrhundert zugeschüttet worden.

In den Langebrücker Analen werden verschiedene Lehnrichter aufgeführt, z.B. Nickel, Kretschmar, Hans und Thomas Günther, Hans Jaott.
1476 gelangte die Familie Stiehler in Besitz des Lehnrichteramtes und übte dies bis 1729 aus. Ihr folgte bis 1819 die Familie Opitz.

Der Bierausschank verlief nicht immer konfliktfrei. Es kam zu Auseinandersetzungen mit den hiesigen Förstern, die sich ebenfalls um den Bierausschank bemühten. Beispielsweise wird in einer Urkunde von 1602 dem Förster Georg Schmieder (auch Schmidt) untersagt, Bier auszuschenken, weil dazu nur der Lehnrichter berechtigt war. Zu dieser Zeit war Simon Stiehler Lehnrichter.

Das Lehnrichteramt hatte nach der sächsischen Verwaltungsreform von 1839 im Königreich Sachsen keine Bedeutung mehr. Vorrausgegangen war die Agrarreform von 1829, die die feudalistischen Agrarverhältnisse beendete. Aber nach Wegfall des Amtes des Lehnrichters blieb die Gaststätte in dem Bauerngut erhalten.

Glücklicherweise ist eine Zeichnung von der Gaststätte von Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. Die Gasträume befanden sich im rechten Gebäudeteil und waren von der Straße zugänglich. Über der Gaststätte gab es einen kleinen Saal, es war der ursprüngliche Raum für gerichtliche Verhandlungen. Wahrscheinlich fanden nach der Wahl des ersten Gemeinderats und -vorstandes 1839 deren Sitzungen ebenfalls in diesem Raum statt, denn eine andere Möglichkeit gab es damals eigentlich nicht.

Tragisch war das Geschehen im Jahre 1857. Nach Brandstiftung in der Scheune des Lehnrichtergutes entwickelte sich ein verheerendes Feuer, dem 18 Bauerngüter und 25 Häuslerwohnungen im heutigen Unterdorf zum Opfer fielen. Eine Vielzahl der Gebäude stammt daher aus der Zeit nach 1857. Der damalige Besitzer des Erblehngerichts, Johann Wilhelm Trepte, veranlasste den Wiedeaufbau der zerstörten Gebäude. Inwieweit die Wohn- und Schankgebäude geschädigt waren, ist nicht eindeutig dokumentiert. Einige Gebäudeteile könnten den Brand überstanden haben.

Schon vor 1900 hatte man Gaststätte und Brauerei getrennt, letztere von einem Pächter betrieben.
1911 erfolgte ein größerer Umbau des Wohn- und Schankgebäudes. Der damalige Besitzer war Gustav Trepte.
Zwölf Jahre später, 1923, wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt. Damit endete eine fast vierhundertjährige Tradition dörfliches Lebens.

Seit 1923 gab es folgende Entwicklung:

1923
Die Langebrücker Firma Johannes Jurk und Co produziert in der ehemaligen Gaststätte Signalsirenen. In den Räumen der früheren Brauerei hatte eine Betriebsstätte für Schlachterei und Wurstproduktion Einzug gehalten. Betrieben wurde sie von Fleischermeister Stein.

1935
Umbau des Wohnhauses und Einrichtung weiterer Wohnungen. Der damalige Zustand blieb lange Zeit erhalten.

Nach 1954
Das gesamte Grundstück mit den landwirtschaftlich genutzten  Gebäuden war in die Rechtsträgerschaft der LPG Typ I „Florian Geyer“ übergegangen. Vorwiegend an Mitglieder der LPG wurden die Wohnungen vergeben. Zu deser Zeit bestand das Erblehngericht noch als typischer Vierseitenhof.

1990
Rückübertragung des Grundstückes an Nachkommen des letzen Besitzers Gustav Trepte, an Hildegard Heinrich in Berlin. Sie war bemüht das Grundstück zu verkaufen.

2001
Die letzten Mieter ziehen aus dem Wohnhaus aus, das Gebäude ist mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben.

2002
Erwerb des oberen Teiles des Grundstückes (Scheune, Melkhaus, Offenstall) durch Familie Bauer

Quelle: „Zur Geschichte des Erblehngerichts in Langebrück, Hauptstraße 49“ von Frau Dr. Wächter

Neuere Geschichte

2002 erwirbt Familie Bauer die oberen Teile des ehemaligen Erblehngerichtes: eine einsturzgefährdete Scheune, ein Melkhaus mit dem Charme vergangener DDR-Zeiten und einen mit Kuhfladen gefüllten Offenstall.

Mit Energie, Idealismus und tatkräftigen Händen vieler Verwandter und Freunde bauten wir den Offenstall zu einem Pferdestall mit kleiner Reithalle und 17 Pferdeboxen mit Paddock um. 2004 konnten endlich die Pferde auf dem neu errichteten Reitplatz gymnastiziert werden.

Auch die weiteren Jahre sind von Abrissen und Neubauten geprägt. Es entstehen in zwei Gebäuden mehrere Wohneinheiten sowie funkelnagelneue Reiterräume: Sattelkammer, Umkleideraum und Reiterstübchen.

Der Lehnhof heute

Noch immer gibt es etwas zu verbessern. Für eine noch größere Sicherheit unserer Weidetiere und um Wildschäden zu vermeiden, zäunen wir unsere Weideflächen fest ein. Pflanzungen von Bäumen und Sträuchern sollen mehr Schatten während der Sommermonate gewährleisten und 3 Selbsttränken liefern ständig frisches Wasser für durstige Pferde auf der Koppel.

Pferdebesitzer, Reitbeteiligungen und Besucher erreichen mit sauberen Schuhen über befestigte Wege unseren Hof und unsere ständig wachsende Galloway-Herde erhält einen Unterstand.

2015 ist unsere Herde auf die stattliche Anzahl von 60 Tieren angewachsen. Ein neuerlicher Umbau des Offenstallgebäudes wird notwendig und so können die Mutterkühe mit ihren Jungtieren ab November in einem Teil des Gebäudes ihr Winterquartier beziehen.